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Autor: Loys
Nachtmann
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Früher musste ich viel Zeit investieren, bis
ein neues Kunstflugmodell exakt durchs Wendefigurenprogramm flog.
Irgendwann riss mir der Faden der Geduld, und ich suchte nach neuen
Möglichkeiten, einen F3A- oder F3A-X-Flieger schnell und kompromisslos
für den Kunstflug zu trimmen. Die hier veröffentlichten Tipps & Tricks
habe ich über viele Jahre hinweg in der Praxis erprobt und verbessert.
Jeder Kunstflugpilot braucht ein Flugmodell
mit ausgewogenen Flugeigenschaften. Obwohl die Kunstflugmaschine beim
Bau genau ausgerichtet und vermessen wurde, quält sie sich durchs
Wendefigurenprogramm: Entweder bricht sie beim Looping nach links oder
rechts aus, kann im Messerflug kaum mit Quer- und Seitenruder gehalten
werden oder dreht beim Trudeln eine viertel oder halbe Umdrehung nach.
Im Rückenflug benötigt der Vogel zu viel Tiefenruder, vom exakten
Einrasten bei Vierpunktrollen kann nicht die Rede sein.
Entwickelt ein Kunstflugmodell so viel
perverses Eigenleben, taugt es nicht fürs Wendefigurenprogramm. Werden
jedoch Schwerpunkt, Motorsturz, EWD, die V-Form des Flügels und ein paar
andere Parameter richtig eingestellt, dann fliegt sogar eine solche
Krücke recht gut durch alle Kunstflugfiguren. Allerdings müssen folgende
Voraussetzungen unbedingt erfüllt sein: |
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Das Kunstflugmodell muss
sehr leicht gebaut sein: Ein F3A-Modell mit etwa 2 Meter Spannweite darf
zwischen 3,5 und 4,5 kg auf die Waage bringen, ein F3A-X-Modell mit etwa
2,4 Meter Spannweite und einem 60-ccm-Einzylinder-Motor muss unter 9 kg
wiegen. |
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Flügel, Höhenleitwerk und
Rumpf dürfen weder verzogen noch verwunden sein. |
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Flügel, Höhen- und
Seitenleitwerk müssen genau ausgerichtet sein. |
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Die Ruderblätter dürfen
nicht verwunden sein und müssen eine gerade Endkante haben. |
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Ruderblätter und Servos
müssen starr, also ohne Spiel miteinander verbunden sein |
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Die Servos müssen die
auftretenden Ruderkräfte verkraften, der Stellfehler muss unter einem
Prozent liegen. |
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Bevor Sie ein Kunstflugmodell für den
Aerobatic-Einsatz optimieren, müssen mehrere Parameter bereits voreingestellt
sein: Schwerpunkt, Motorsturz, Motorseitenzug, EWD (Einstellwinkeldifferenz)
sowie die Größe der Ruderausschläge müssen annähernd stimmen. Da jeder
Kunstflugpilot hier seine eigenen Vorlieben hat, möchte ich ein paar
Anhaltspunkte geben, die Sie einfach auf Flugzeug übertragen können.
Zwei Faustregeln
Bei
einem Kunstflugmodell ist der Flügel im Horizontalflug zwischen 0,5 und 1,5 Grad
gegen die anströmende Luft angestellt. Je höher das Modellgewicht, desto größer
muss der Einstellwinkel sein. Mitteldecker kommen mit einem geringeren
Einstellwinkel des Flügels aus: 0 bis 0,5 Grad reichen bei leicht gebauten
Modellen völlig (F3A ca. 0,2Grad)
Die
Profilsehne des Höhenruders verläuft bei fast allen Kunstflugmodellen parallel
zur Rumpfmittellinie, das heißt Null Grad Einstellwinkel. Zum Ausmessen des bzw.
der Einstellwinkeldifferenz benötigt man eine EWD-Waage, die eine Auflösung von
einem viertel Grad haben sollte.
Motor: Seitenzug und Sturz
Auch der Seitenzug und Sturz des Motors spielen beim Kunstflug eine wichtige
Rolle. Hier haben sich einige Werte herauskristallisiert, die man auf die
meisten Kunstflugmodelle direkt übertragen kann: Wird der Motor zum Beispiel mit
einem Seitenzug von 1,5 bis 2 Grad und einem Sturz zwischen 1 und 1,5 Grad
eingebaut, dann hat man schon recht gute Ausgangswerte, der Rest muss erflogen
werden.
Bei
F3A Modellen beträgt der Seitentug min 3.5Grad und der Motorsturz bei fast Null
Grad.
Eine Ausnahme bilden jedoch Kunstflugdoppeldecker wie zum Beispiel der Ultimate.
Hier sieht die Nasenleiste des Höhenleitwerks im Horizontalflug etwa 1,5 Grad
nach oben, und die beiden Flügel sind nicht gegen die anströmende Luft
angestellt. Das heißt, die Profilsehne der Tragfläche verläuft parallel zur
Rumpfmittellinie (Einstellwinkel = 0 Grad). Auch der Sturz und Seitenzug des
Motors sehen bei einem Doppeldecker anders aus als bei einem Tief- oder
Mitteldecker. Sowohl bei meinem Goldberg-Ultimate (Spannweite 1,4 Meter) als
auch bei meinem Voll-GFK/CFK-Ultimate (Spannweite 2 Meter) schaut der Motor um
1,5 Grad nach rechts in Flugrichtung (Seitenzug) und um 1,5 Grad nach oben
(negativer Motorsturz!). Doppeldecker sind eben Kunstfluggeräte der besonderen
Art, denn hier gilt das Motto: Ein Doppeldecker muss krumm eingestellt sein,
damit er gerade aus fliegt.
Sender: Steuerknüppel und Trimmhebel
Am
Sender werden die Steuerknüppel und alle Trimmhebel in die Neutralstellung
gebracht. Die Drehkreuze bzw. Steuerscheiben werden so auf die Abtriebsachse
gesteckt, dass Servos und Ruder nach beiden Seiten hin uneingeschränkt in die
Extremstellung laufen können. Weder die Drehkreuze auf den Servos noch die
Rudergestänge dürfen gegen irgendein Hindernis laufen. Befinden sich die Servos
in der Neutralstellung, dann muss die Länge der Rudergestänge so eingestellt
werden, dass sich die Ruderblätter von Quer-, Höhen- und Seitenruder ebenfalls
in der Nullposition befinden.
Dann werden alle Ruder nacheinander in die beiden Extrempositionen gefahren. Der
Ausschlag nach beiden Seiten soll für den Anfang gleich groß, also symmetrisch
sein. Sollte sich beim Einfliegen herausstellen, dass das Flugzeug mit
differenziert angesteuerten Querrudern besser durch die Figuren zieht oder beim
gedrückten Looping einen erhöhten Tiefenruderausschlag benötigt, dann nehmen wir
später bei der Feinabstimmung entsprechende Maßnahmen vor.
Wichtig ist: Der maximale Ruderausschlag muss dem maximalen Stellweg der Servos
entsprechen. Das heißt, eine elektronische Wegbegrenzung mit der
Dual-Rate-Funktion hat beim Einfliegen und Austrimmen eines Kunstflugzeuges
nichts zu suchen. Hat man einen Computersender, dann erweisen sich 20 bis 40
Prozent separat zuschaltbarer Exponentialanteil auf Quer- und Höhenruder oft als
nützlich: Beim Erstflug eines neuen Modells ist meist die Ruderwirkung
unbekannt. Durch gezieltes Zuschalten der Exponentialfunktion auf giftig
reagierende Ruder kann man das Flugmodell beim Erstflug lammfromm machen und
ohne Probleme landen.
Gerissene Figuren: Starke und
schnelle Servos müssen rein
Aus
Sicherheitsgründen wird bei Kunstflugmodellen jedes Höhenruderblatt mit einem
eigenen Servo angelenkt. Selbst sogenannte Profiservos haben wegen
Fertigungstoleranzen verschiedene Stellzeiten. Bei vollem Ruderausschlag
erreichen deshalb nicht beide Höhenruder gleichzeitig den gewünschten
Ruderausschlag. Besonders bei den sogenannten Snap-Figuren machen sich
Höhenruderservos mit verschiedenen Stellzeiten unangenehm bemerkbar: Statt einer
gestoßenen Rolle entsteht eine Fassrolle oder der Flieger bricht unkontrolliert
aus.
Reißt die Strömung bei gerissenen Figuren nicht ab, dann reagiert meist das
Seitenruderservo wegen zu hoher Ruderkräfte viel zu träge. Diesem Problem rücken
Sie so zu Leibe: Koppeln Sie einfach zwei oder drei C4451-Servos mit
Kohlestangen parallel. Über zwei Fesselfluglitzen lenken Sie dann das
Seitenruderblatt an.
Schwerpunkt
Bevor ein Kunstflugmodell zum ersten Mal in die Luft geht, muss natürlich der
Schwerpunkt grob eingestellt werden. Bei Bausatzmodellen stellt man zunächst den
im Plan eingezeichneten Schwerpunkt ein. Bei Eigenkonstruktionen oder gekauften
Modellen muss man den Schwerpunkt selbst ermitteln.
Bei
Doppeldeckern ist die Ermittlung des Schwerpunkts eine äußerst komplizierte
Sache. Bisher habe ich drei ganz verschieden Ultimate geflogen, die alle jedoch
eines gemeinsam haben: Der erflogene Schwerpunkt liegt exakt an der gleichen
Stelle, nämlich am hinteren Pylonträger. Nicht nur meine kleine
Goldberg-Ultimate (Spannweite 1,4 Meter) sondern auch der von Peter Erang
konstruierte Ultimate in Styro/Balsabauweise (Spannweite 1,8 Meter, Bauplan:
Neckar-Verlag) und mein 2-Meter-Voll-GFK-Ultimate gingen problemlos mit einem so
eingestellten Schwerpunkt zum ersten Mal in die Luft. Beim Doppeldecker kann man
die exakte Lage des Schwerpunktes eigentlich nur erfliegen. Wie das
funktioniert, zeige ich später.
Ausbalancieren: Nichts darf
kippen
Ein
weiterer wichtiger Punkt vor dem Erstflug ist das Ausbalancieren des Flugzeugs.
Hierzu wird das Schwanzende des Modell zum Beispiel auf ein Sperrholzbrett
gelegt, das in einem Schraubstock eingespannt ist. Dann hebt man den Flieger am
Spinner soweit hoch, dass die Rumpfmittellinie etwa waagrecht verläuft. Kippt
das Modell nach einer Seite weg, dann muss im Randbogen des Flügels, der nach
oben weist, soviel Blei angebracht werden, bis der Kunstflieger um die
Längsachse die Balance hält. Selbstklebende Bleigewichte, die zum Auswuchten von
Autoreifen verwendet werden, eignen sich hierfür vorzüglich.
Erster Eindruck: Trimmen und
Ruderreaktion
Bevor Sie das Flugmodell für den Kunstflug in neun Schritten optimieren, machen
Sie einen Probeflug. So finden Sie schnell heraus, ob die Ruder wirklich neutral
stehen, wenn das Modell gerade aus fliegt. Gehen Sie dabei folgendermaßen vor:
Nach dem Start wird das Modell für den Geradeausflug grob getrimmt. Im
horizontalen Vorbeiflug sollte der Flieger bei losgelassenen Steuerknüppeln und
Halbgas zumindest für ein paar Sekunden geradeaus fliegen und nicht über eine
Fläche wegkippen. Verstellen Sie die Trimmhebel am Sender solange, bis das
Flugzeug nach einigen Vorbeiflügen den Kurs hält, also geradeaus fliegt.
Jetzt kommt die Ruderreaktion an die Reihe. Ein Exponentialanteil sollte
zunächst beim Einfliegen keinem Kanal zugemischt sein. Hier ein Anhaltspunkt,
wie schnell ein Kunstflugmodell rollen sollte: Bei vollem Querruderausschlag
sollte das Modell in knapp 1 Sekunden etwa 1 Rollen fliegen. Das ist ein guter
Ausgangswert für die folgenden neun Schritte. Zum Vergleich: Die manntragende
Extra 300L rollt etwa 400 Grad pro Sekunde!
Die
optimale Ruderreaktion des Höhenruders kann man recht einfach mit der stehenden
Acht und einem eckigen Looping ermitteln. Weder Quer- noch Höhenruder dürfen
mehr als 35 Grad nach oben und unten ausschlagen. Reagiert das Modell zu träge
auf große Ruderausschläge, dann sind die Ausschläge zu klein oder die
Ruderspalte zu groß. Ein Abdichten der Ruderspalte mit Scharnierband löst fast
immer das Problem, im Extremfall müssen die Ruderblätter vergrößert werden. Doch
das ist eine aufwendige Angelegenheit, da ein neuer Flügel, neue
Höhenruderblätter oder ein neues Seitenruder fällig werden.
TOC-Modelle: 3-Meter-Flieger und
mehr
Soll ein großes Flugmodell ab 3 Meter Spannweite für den Kunstflug optimiert
werden, dann gelten eigene Gesetze: Diese Boliden bringen zwischen 15 bis 20 kg
auf die Waage, unter Motorhaube werkelt ein kräftiger Boxermotore ab 150 ccm und
die Ruderflächen sind überdimensional groß. Die Servos müssen nicht nur hohe
Ruderkräfte sondern auch die harten Motorvibrationen verkraften. Analog- oder
Digitalservos heißt hier die Frage?
Optimieren: Neun Schritte zum
perfekten Kunstflugmodell
Sie zeigen, wie man ein durchschnittliches
Kunstflugmodell in ein perfektes Aerobatikmodell verwandelt. Als Grundlage für
die Illustrationen habe ich die Empfehlungen aus einem Newsletter der NSRCA
(National Society of Radio Controlled Aerobatics) verwendet, die Mike Chipchase,
Australien, vor vielen Jahren zusammengestellt hat. Leider ist dieses
interessante Textdokument (in Englisch) nicht mehr im Internet verfügbar.
Doch jetzt geht es
ans Eingemachte: Mit geeigneten Kunstflugfiguren erfliegen Sie die optimalen
Einstellungen für Ihr Aerobatikmodell. Damit Sie die Fluglage des Modells
jederzeit sehen können, sollten Sie sich zwei bis drei sonnige und nahezu
windfreie Tage aussuchen. Fliegen Sie das Modell so an sich vorbei, dass die
Sonne immer auf Ihren Rücken scheint. So werden Sie niemals geblendet und können
das Verhalten des Flugzeugs in allen Fluglagen genau studieren und beurteilen.
Bitten Sie Ihre Modellflug-Kollegen, nicht zu fliegen und keine Motoren laufen
zu lassen, wenn Ihr Flugzeug in der Luft ist und auf Aerobatic getrimmt wird.
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1. Schritt: EWD einstellen
Nachdem die Ruderreaktionen auf die
Steuergewohnheiten des Piloten abgestimmt sind, das Modell um die Längsachse
ausbalanciert und der Schwerpunkt grob eingestellt ist, geht es der EWD an
den Kragen. Dazu wird der Motor gedrosselt und das Modell in der Mitte des
Flugfensters in den senkrechten Sturzflug gebracht. Mindestens 50 Meter
sollte es im Sturzflug nach unten gehen. Fällt das Modell die gesamte
Strecke senkrecht nach unten, dann ist die EWD fürs erste in Ordnung. Bei
zuviel EWD bricht der Flieger in Richtung Cockpit aus, bei zu wenig EWD in
Richtung Fahrwerk.
Es gibt mehrere Möglichkeiten die EWD
nachträglich zu modifizieren. Ist bei einem Mittel- oder Tiefdecker die
Tragfläche über ein zentrales Steckrohr am Rumpf befestigt, dann fällt es
nicht schwer, die beiden Flächenhälften in die gewünschte Richtung zu
verdrehen.
Bei einer durchgehenden Tragfläche ist es
angebracht, das Höhenleitwerk über ein zentrales Steckrohr zu montieren;
denn auch mit dem Höhenleitwerk kann man bekanntlich die EWD beeinflussen.
Beim Kunstflug-Doppeldecker empfiehlt es sich, das Höhenleitwerk immer mit
einer Rohrsteckung zu befestigen: So können Sie die EWD mit dem oberen
Flügel und und dem Höhenleitwerk einstellen.
Bei allen
Flugmodellen lässt sich die EWD am einfachsten einstellen, wenn das
Höhenleitwerk als Pendelruder ausgeführt ist. Doch weder in der bemannten
Kunstfliegerei noch im Modellkunstflug konnte sich das Pendelruder
durchsetzen. |
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2. Schritt: Schwerpunkt
einstellen
Bis jetzt ist der Schwerpunkt nur grob ermittelt
und zwar nach dem Motto: Das Modell bei etwa 30 Prozent der
Flügelmittellinie aufhängen; zeigt die Schnauze ein wenig nach unten, dann
stimmt der Schwerpunkt schon irgendwie. Selbst ein sauber gebautes Modell,
dessen Schwerpunkt so grob eingestellt ist, kann seine Kunstflugfähigkeiten
wohl kaum entfalten.
Deshalb muss die exakte Schwerpunktlage erflogen
werden. Geben Sie etwa 50 bis 75 Prozent Gas und rollen Sie das Modell auf
den Kopf. Fliegt der Vogel mit nur viel Tiefenruder geradeaus, dann ist der
Flieger kopflastig und benötigt mehr Gewicht im Schwanz. Entweder entfernen
Sie Trimmblei aus der Schnauze oder verschieben den Akku nach hinten. Doch
Vorsicht, das Stromkabel für die Empfangsanlage darf nicht zu lang werden:
Vor allem bei Benzinmotoren mit Zündanlage wirkt sich eine lange
Stromzuführung oft negativ auf die Reichweite der Fernsteuerung aus. Es
spielt dabei keine Rolle, ob es sich um eine FM- oder PCM-Anlage handelt.
Es kann jedoch auch eine andere Situation
eintreten: Mit neutralem Höhenruder fliegt das Modell auf dem Kopf und
steigt nach oben weg. Jetzt ist die Kunstflugmaschine geringfügig
schwanzlastig und benötigt Blei in der Nase.
Richtig ist der Schwerpunkt eingestellt, wenn
das Modell mit neutralem Höhenruder oder ganz wenig Tiefenruder geradeaus
fliegt. |
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3. Schritt: Das Modell lernt
geradeaus fliegen
Grundvoraussetzung für ein Kunstflugmodell ist,
dass es von selbst geradeaus fliegt. Nur dann kann sich der Pilot voll aufs
Wendefigurenprogramm konzentrieren und muss nicht ständig das Eigenleben des
Flugmodells ausbügeln.
Bisher ist das Modell nur statisch um die
Längsachse ausbalanciert: Dazu wurde es vor dem Erstflug am Schwanzende
unterstützt und am Spinner hochgehoben. Selbstklebende Bleigewichte im
Randbogenbereich sorgen dafür, dass der Flieger nicht auf einer Seite den
Flügel hängen lässt.
Im Flug wirken jedoch auch dynamische Kräfte auf
das Flugzeug. Zum einen drückt die Wirbelschleppe des Propellers auf das
Seitenleitwerk, und zum anderen macht sich das Drehmoment des Motors
bemerkbar. Deshalb kann man das Modell nur im Flug exakt um die Längsachse
ausbalancieren.
Geben Sie etwa 50 bis 75 Prozent Gas und rollen
Sie das Modell in die Rückenlage. Halten Sie für mindestens 10 Sekunden alle
Ruder in der Neutralposition. Dreht dabei ein Flügel nach oben weg, dann muß
an dessen Randbogen ein Gewicht angebracht werden. Nehmen Sie sich für das
Ausbalancieren um die Längsachse viel Zeit. Geben Sie sich erst zufrieden,
wenn das auf den Kopf gerollte Modell bei neutraler Ruderstellung absolut
geradeaus fliegt und sich nicht aus der Rückenlage herausdreht. |
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4. Schritt: Seitenzug des Motors
einstellen
Das Wendefigurenprogramm ist vollgespickt
senkrechten Steigpassagen. Man denke nur an die vielen Humpty-Bumps,
Quadrat-Loops, den hohen Hut und neuerdings auch das Männchen. Alle diese
Figuren werden während des senkrechten Steigflugs mit mehreren Rollen oder
Punktrollen geflogen, beim Männchen ist es sogar eine 8-Punkt-Rolle in der
senkrechten Aufwärtspassage. Solche Figuren kann man nur mit
leichtgewichtigen und stark motorisierten Kunstflugmodellen fliegen. Bei
soviel Motor-Power müssen Seitenzug und Motorsturz genau eingestellt sein.
Nur dann fliegt das Modell horizontal und vertikal geradeaus.
Zunächst erfliegen Sie den richtigen Seitenzug
des Motors. Fliegen Sie das Modell mit Vollgas in horizontaler Fluglage von
rechts nach links. Die Flughöhe sollte niedrig sein, etwa 20 Meter Höhe sind
genau richtig. Ist das Modell vor Ihnen, ziehen Sie es in einem engen Bogen
senkrecht nach oben, und fliegen Sie unmittelbar danach eine viertel Rolle
nach links. Wie die Illustration zeigt, sehen Sie jetzt auf das Cockpit des
nach oben schießenden Modells. Bricht Ihr Flugzeug nach links aus, dann kann
der Motor mehr Seitenzug vertragen. Schert hingegen das Flugzeug nach rechts
aus, dann hat der Motor zuviel Seitenzug nach rechts. Verstellen Sie den
Seitenzug des Motors solange, bis das Modell im senkrechten Steigflug weder
nach links noch nach rechts ausbricht. Erst dann können Sie diesen Punkt
abhaken. |
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5. Schritt: Motorsturz
einstellen
Jetzt kommt der Motorsturz an die Reihe. Fliegen
Sie abermals das Modell mit Vollgas in horizontaler Fluglage von rechts nach
links. Auch hier sollte die Flughöhe etwa 20 Meter Höhe betragen. Ist das
Modell vor Ihnen, ziehen Sie es in einem engen Bogen senkrecht nach oben.
Wie die Illustration zeigt, sehen Sie jetzt die
Seitensilhouette Ihres Modells. Bricht das Flugzeug nach unten, also in
Richtung Fahrwerk aus, dann hat der Motor zuviel Sturz. Schert Ihr Flieger
hingegen nach oben, also in Richtung Cockpit aus, dann muss der Motorsturz
vergrößert werden. Verstellen Sie den Motorsturz solange, bis das Modell im
senkrechten Steigflug weder nach oben noch nach unten ausbricht. Bis
Motorsturz und Seitenzug exakt stimmen, fließen mehrere Tankfüllungen durch
den Vergaser. |
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6. Schritt: Feinabstimmung für
den Geradeausflug
Nach den Einstellungen in den Schritten zuvor
fliegt das Modell bei horizontalen und vertikalen Flugmanövern schon recht
gut geradeaus. Aber gut ist noch lange nicht gut genug. Denn optimaler
Geradeausflug ist die Grundvoraussetzung für exakten Kunstflug. Das heißt,
fliegt man zum Beispiel mit horizontal ausgerichtetem Flügel in einen Innen-
oder Außen-Looping dann kommt das Modell auch wieder exakt horizontal
ausgerichtet aus der Kunstflugfigur heraus.
Bisher wurde das Modell nur statisch um die
Längsachse ausgewogen. Sie erinnern sich: Den Schwanz unterstützen, am
Spinner hochheben und am Randbogen soviel Gewicht anbringen, bis der Vogel
die Balance hält. Beim Kunstflug wirken jedoch auch dynamische Kräfte auf
das Modell ein, die auf das Flugverhalten einen großen Einfluss haben.
Im Rumpf sind schwere Komponenten wie Motor,
Krümmer, ein oder zwei Resorohre sowie Empfänger- und Zündakku eingebaut.
Auch ein voller Tank bringt bringt ganz schön Gewicht auf die Waage. Leider
lässt es sich nicht realisieren, dass diese schweren Brocken symmetrisch zur
Rumpfmittellinie montiert sind. Da Akkus, Resorohre und Krümmer nicht
symmetrisch um die Rumpfmittellinie montiert sind, drehen diese Komponenten
das Flugmodell bei hoher G-Belastung aus der Kunstflugfigur heraus.
Besondere Übeltäter sind Motore mit einem Zylinder: Wegen der asymmetrischen
Bauweise dieser Zerknalltreiblinge liegt der Motorschwerpunkt weit entfernt
von der Rumpfmittellinie. Und das wirkt sich bei hohen dynamischen
Belastungen negativ auf das Flugverhalten aus: Folgende Flugfigur soll das
verdeutlichen: Fliegen Sie einmal mit Ihrem Modell drei oder vier Loopings
hintereinander, die sich decken. Bewegt sich der Flieger bei neutralem Quer-
und Seitenruder auf einer einer Korkenzieherbahn, dann ist noch einiges an
Feinabstimmung nötig.
Obwohl die englische Fachliteratur ausführlich
auf das soeben beschriebene Problem eingeht, kann man hierzulande kaum etwas
darüber lesen. Im Internet finden Sie mit Suchbegriffen wie „wing walk“, „heavy
wing effect“ oder „muffler effect“ weitere Informationen. Doch jetzt wird
wieder gestartet:
Fliegen Sie das Modell im Horizontalflug von
rechts nach links mit etwa 50 bis 75 Prozent Gas an. Querruder und
Seitenruder müssen absolut neutral sein, und der Flieger darf keinen Flügel
hängen lassen (Querruder) noch um die Hochachse gieren (Seitenruder).
Befindet sich das Modell vor Ihnen, also in der Mitte des Flugfensters, dann
fliegen Sie einen gezogenen Looping. Der Durchmesser des Loop sollte bei
einem F3A-Modell (10 bis 20-ccm-Klasse) etwa 50 Meter sein, bei einem
F3A-X-Modell sind 80 bis 100 Meter ein guter Wert. In der Abwärtspassage des
Loops wird das Gas nicht zurückgenommen: Der Flieger sollte beim Abfangen
schnell sein, damit eine ordentliche G-Belastung zustande kommt. Lässt zum
Beispiel das Modell den rechten Flügel nach dem Looping hängen, dann
verträgt die linke Flügelspitze mehr Gewicht. Geben Sie sich erst zufrieden,
wenn das Modell gerade aus dem Loop herauskommt. |
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7. Schritt:
Querruder-Differenzierung
Bei der Vierpunkt-, Achtpunkt- und der langsamen
Rolle kommt es auf die Querruder-Differenzierung an. Viele Modellpiloten
fliegen diese drei Figuren ganz ohne Differenzierung der Querruder. Kommt
beim Rollen um die Längsachse das Flugmodell etwas von der Bahn ab, dann
korrigiert ein erfahrener Pilot mit Seiten- und Höhenruder.
Mit der Querruder-Differenzierung kann sich aber
jeder Newcomer das Leben beim Modellkunstflug erleichtern: Meist ist beim
Rollen um die Längsachse keine Korrektur nötig, da das Modell von sich aus
geradeaus fliegt und kaum vom Kurs abkommt.
Zur Ermittlung der Querruder-Differenzierung
fliegen Sie das Modell von rechts nach links mit etwa 50 bis 75 Prozent Gas
und in etwa 50 Meter Höhe an. Fliegen Sie drei Rechtsrollen, die zusammen
etwa 6 bis 9 Sekunden dauern, also 2 bis 3 Sekunden pro Rolle. Bricht das
Modell dabei nach rechts aus, dann benötigt es mehr
Querruder-Differenzierung. Weicht hingegen das Flugzeug während der drei
Rechtsrollen nach links aus, dann sind die Querruder zu stark differenziert.
Mischen Sie im Sender soviel Differenzierung bei, bis die Rollachse gerade
verläuft. |
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Anschließend
drehen Sie den Spieß um: Jetzt werden mit 50 bis 75 Prozent Gas drei
Linksrollen hintereinander geflogen. Bricht das Modell nach links aus, dann
kann es mehr Querruder-Differenzierung vertragen. Weicht der Kunstflieger
nach rechst vom Kurs ab, dann muss die Querruder-Differenzierung zurück
genommen werden. Meist müssen Sie jedoch bei der Kursabweichung zwischen
den Links- und Rechtrollen einen Kompromiss finden. |
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8. Schritt: Optimale V-Form
erfliegen
Die optimale V-Form ist vor allem bei
Kunstflug-Tiefdeckern wichtig. Modellpiloten, die einen Mitteldecker wie die
Extra 300 oder einen Doppeldecker wie den Ultimate fliegen, müssen sich über
die V-Form des Flügels nicht den Kopf zerbrechen: Diese Flugmodelle
benötigen im Messerflug kaum Seitenruder und drehen sich auch nicht heraus.
Fliegen Sie das Modell von rechts nach links mit
etwa 50 bis 75 Prozent Gas und in etwa 50 Meter Höhe an. Rollen Sie das
Flugzeug nach links in den Messerflug und halten Sie es mit ganz wenig Höhen
und Seitenruder für mindestens 10 Sekunden in dieser Fluglage. Das Querruder
darf nicht mehr betätigt werden, sobald die Messerfluglage erreicht ist.
Dreht sich das Kunstflugmodell nach links aus dem Messerflug, dann benötigt
es weniger V-Form im Flügel.
Zur weiteren Kontrolle der exakten V-Form
fliegen Sie jetzt das Modell von links nach rechts an. Rollen Sie das
Flugzeug nach rechts in den Messerflug, und halten Sie es abermals für
mindestens 10 Sekunden in der Messerfluglage. Das Querruder muss in der
Neutralstellung bleiben, sobald das Modell die Messerfluglage erreicht hat.
Dreht sich der Flieger nach links aus dem Messerflug, dann benötigt er mehr
V-Form im Flügel.
Bei einteiligen Tragflächen kann man die V-Form
recht einfach korrigieren: Der Flügel wird in der Mitte mit einem
Metallsägeblatt etwa zu 90 Prozent der Profildicke durchgeschnitten. Durch
den gesägten Schlitz läßt sich jetzt die Tragfäche in die gewünschte V-Form
bringen. Mit etwas Epoxy und Gewebeband wird der Flügel wieder
zusammengeklebt.
Schwieriger wird die ganze Sache, wenn das
Kunstflugmodell mit einer gesteckten Tragfläche ausgestattet ist. Vor ein
paar Jahren baute ich eine Supra-Fly 2500 (FMT-Bauplanmodell von Hanno
Prettner, Spw. 210 cm, 30-ccm-Super-Tigre). Abweichend vom Bauplan wurde der
Rumpf etwas höher gebaut, der Flügel so tief wie möglich gesetzt und mit
einer 30-mm-Alusteckung (Simprop) versehen. Beim Fliegen zeigte sich, dass
die modifizierte Supra-Fly mehr V-Form benötigt. Mit einem Heißluftföhn habe
ich das in den Rumpf geharzte Alurohr solange erhitzt bis das Harz weich
wurde. Ein paar kräftige Drehbewegungen, und dann konnte ich das Rohr mit
sanfter Gewalt aus dem Rumpf herausziehen.
Dann wurde das Alurohr in der Mitte mit einer
Metallsäge bis etwa zu 90 Prozeent des Durchmessers durchtrennt. Durch den
gesägten Schlitz läßt sich das Rohr in die gewünschte V-Form biegen. Das
V-förmige Steckungsrohr wurde jetzt in der Mitte mit einer
Glasgewebemanschette versehen und wieder in den Rumpf eingeharzt. Danach
bestand die Supra-Fly den "8. Schritt" einwandfrei, weil die V-Form stimmte. |
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9. Schritt: Höhenruder
abstimmen
Obwohl das Kunstflugmodell um die Längsachse
perfekt ausgewogen und optimal für den Geradeausflug getrimmt ist, macht
es bei Loopings und Humpty-Bumps noch eine ganz leichte Rollbewegung.
Mit den im 3. und 6. Schritt beschriebenen Einstellarbeiten lässt sich
das letzte Quäntchen Eigenleben nicht austreiben.
Fast immer ist das Höhenruder der Übeltäter.
Um dem Problem auf die Schliche zu kommen, werden hintereinander ein
gezogener Looping, gefolgt von einer halben Rolle und aus dem Rückenflug
und dann ein gedrückter Looping geflogen. So kann man sehr gut
beobachten, ob die beiden Höhenruderservos gleich schnell laufen
und/oder die Ruderausschläge der beiden Höhenruderblätter gleich groß
sind. Schleichen sich bei der Höhenruderanlenkung mechanische
Ungenauigkeiten ein, dann entsteht bei gezogenen und gedrückten
Kunstflugfiguren eine nicht erwünschte Rollbewegung.
Bei F3A-X-Modellen werden die beiden
Höhenruderservos oft unter dem Höhenleitwerk in die Rumpfseitenwand
eingebaut. An dieser Stelle sind viele GFK-Rümpfe nicht als Sandwich
ausgeführt. Fehlt der Stützstoff um das Servo herum, dann verbiegt sich
die Rumpfseitenwand bei einem hohen Ruderdruck. Deshalb schlagen die
Höhenruderblätter verschieden stark nach oben und unten aus, und das
Kunstflugmodell entwickelt bei gezogenen und gedrückten Figuren
Eigenleben, es beginnt zu rollen. Hier hilft nur eines, der Rumpf muss
am Schwanzende mit ein paar Balsaleisten ausgesteift werden.
Um herauszufinden, ob die Höhenruderblätter
bei Neutralstellung in einer Ebene liegen, ob sie verschieden stark
ausschlagen oder ob die Stellzeiten beider Höhenruderservos
übereinstimmen, müssen Sie wieder den Motor anwerfen und starten.
Fliegen Sie das Modell von rechts an, und führen Sie mit neutralem
Querruder einen gezogenen Looping aus. Rollen Sie jetzt das Modell auf
den Kopf und fliegen Sie mit neutralem Querruder einen gedrückten
Looping. Rollt das Kunstflugmodell sowohl beim gezogenen als auch beim
gedrückten Looping in die gleiche Richtung dann liegen die beiden
Höhenruderblätter nicht in einer Ebene. Das heißt ein Ruderblatt schaut
etwas nach oben und das andere nach unten. Und dadurch kommt eine
unerwünschte Querruderwirkung zustande.
Rollt das Modell hingegen beim gezogenen
Looping zum Beispiel nach links und beim gedrückten Looping nach rechts,
dann schlägt ein Höhenruderblatt mehr aus als das andere. Dieser Effekt
tritt meist dann auf, wenn die Höhenruderservos verschiedene Stellzeiten
aufweisen oder bei der Kraftübertragung vom Servo zum Höhenruderblatt
irgendwelche Verbiegungen auftreten.
Sind die Höhenruderservos in die
Rumpfseitenwand eingebaut und gibt dies bei hohem Ruderdruck nach, dann
muss der Rumpf ausgesteift werden. Auch Rudergestänge sowie Ruderhörner
dürfen sich nicht verbiegen und müssen absolut spielfrei sein. Paddeln
die beiden Höhenruderblätter, wenn sie in die Extremstellungen gefahren
werden, dann sollten Sie zwei Höhenruderservos paaren. |
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