Von
der Theorie her kenne ich für das Thema Anlenkung von Ruderflächen nur
zwei ideale Systeme, welche in allen Stellungen völlig exakt arbeiten:
1.
Seilzug mit 2 Umlenkscheiben (S.0), wie auch früher
als Skalenanzeige in Radiogeräten eingesetzt. Dieses System hat einen
gleichmäßigen Ablauf (ohne ein manchmal gewünschtes
Exponentialverhalten) in allen Winkellagen, durch unterschiedlich große
Umlenkscheiben lassen sich auch Übersetzungen verwirklichen. Die Wirklänge
und Spannung des Seils ist immer gleich, unabhängig von der Winkellage
des Systems. (Wenn die Scheiben unrund oder exzentrisch gebohrt sind,
ist es mit der Theorie aber schon wieder vorbei)
2.
Seilzug in Parallelkurbel-Anordnung (P.0), wie
auch früher bei älteren Zeichenmaschinen verwendet. Die Hebelarme von
Servo und Ruderhorn sind gleichlang und parallel zueinander. Die Seillänge
ist genauso lang wie der Abstand der beiden Drehpunkte, statt der Seile
könnten auch starre Stangen als Koppelglieder verwendet werden. Die
dargestellte Lösung ist am bekanntesten, bei Ruder-Neutralstellung
stehen hier die Hebelarme 90° zur Verbindungslinie der Drehpunkte. Der
Ablauf ist gleichmäßig in allen Winkelstellung, aber im Gegensatz zur
ersten Lösung sind keine Übersetzungen möglich. Es gilt:
Abtriebswinkel=Antriebswinkel. Wirklänge und Spannung verändern sich
bei theoretisch exakter Ausführung nicht.
Alle anderen Lösungen sind - bei theoretischer Betrachtungsweise - mehr
oder weniger fehlerbehaftet, funktionieren praktisch aber oft ohne
merkbare Probleme, da die Auswirkungen der Fehler zumeist nur gering
sind. Nachfolgend werden einige Einflußgrößen aufgezeigt.
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- Ausführung des Servoantriebshebels (Scheibe oder
Hebelarm)
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- Ausführung des Ruderhorns (Scheibe oder Hebelarm)
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- Winkellage der Seil-Einhängebohrungen an Servohebel
und Ruderhorn
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- Längenverhältnis Servohebel / Ruderhorn
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- Abstand zwischen Servoachse und Ruder-Scharnierachse.
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In
den meisten Fällen (Hebel an Servo und Ruderfläche) läßt sich jeder
Zweig des Seilzuges kinematisch als Gelenkviereck betrachten, bestehend
aus:
1.
Gestell = Abstand zwischen Servoachse und
Ruder-Scharnierachse
2.
Kurbel = Servoantriebshebel
3.
Koppelglied = Seil
4.
Schwinge = Ruderhorn
Zu
den Varianten:
Skizze
S.1 stellt
ein System mit einer Seilscheibe am Servo und rechtwinkligen Hebeln an
der Ruderfläche dar. Das in Neutrallage korrekt gespannte System
verliert einen - praktisch nicht relevanten - Teil der Spannung im
Leertrum, wenn es ausgelenkt wird. Dieser Einfluß wird durch geringe
Winkelunterschiede der Seile bei Auslenkung hervorgerufen, er wird mit
größerer Gestell-Länge immer kleiner. Bei unendlicher Gestellänge
besteht hinsichtlich der Seilspannung kein Unterschied zu Fall P.0.
Unterschiedlich ist jedoch das Übertragungsverhalten: Bei gleichen
Hebelverhältnissen steigt der Ausschlagwinkel der Ruderfläche stärker
an als der Servoausschlag.
Skizze A.+ stellt
ein System mit einem rechtwinkligen Servohebel und 20° zurückgeschwenkten
Ruderhebeln dar, die Wirklängen der Hebel sind gleich.. Das in
Neutrallage korrekt gespannte System verliert einen - gegenüber S.1
deutlich höheren - Teil der Spannung im Leertrum, wenn es ausgelenkt
wird. Dieser Einfluß wird hervorgerufen durch die Geometrie des
Ruderhorns. Das rücklaufende Ruderhorn des Leertrums legt einen
geringeren Weg in Gestellrichtung zurück als das vorlaufende Ruderhorn.
Dieser Effekt ist weitgehend unabhängig von der Gestell-Länge. Ob er
sich negativ auf die Funktion einer derartig gestalteten Anlenkung
auswirkt, ist umstritten. Persönlich halte ich bei böigen Windverhältnissen
eine Flatterneigung für möglich, auch die präzise Reaktion bei
Bewegungsumkehr ist eingeschränkt, da anfangs nur Luftkräfte rückstellend
wirken. Das Übertragungsverhalten ist unterschiedlich: Anfangs steigt
der Ausschlagwinkel der Ruderfläche stärker an als der Servoausschlag,
später kehrt sich der Effekt um.
Skizze
A.- stellt
ein System mit einem rechtwinkligen Servohebel und 20°
vorgeschwenkten Ruderhebeln dar, die Wirklängen der Hebel sind gleich..
Das in Neutrallage korrekt gespannte System wird weiter gespannt, wenn
es ausgelenkt wird. Auch dieser Einfluß ist weitgehend unabhängig von
der Gestell-Länge und wird hervorgerufen durch die Geometrie des
Ruderhorns. Das rücklaufende Ruderhorn legt einen weiteren Weg in
Gestellrichtung zurück als das vorlaufende Ruderhorn, dadurch wird die
ursprüngliche Seillänge zu kurz.. Die Vorspannung wird erhöht, hat
aber erst ab einer gewissen Größe praktische Auswirkungen, da
Elastizität und Durchbiegung in Servohalterung, Zugseil, Servohebel und
Ruderhorn - natürlich unter Reduzierung der Wirkleistung am Ruder - für
einen teilweisen Abbau sorgen. Persönlich halte ich einen geringen Teil
von zusätzlicher Seilspannung noch für akzeptabel. Das Übertragungsverhalten
ist progressiv: Der Ausschlagwinkel der Ruderfläche steigt stärker an
als der Servoausschlag.
Die
in den Skizzen A.+ und A.- dargestellten Verhältnisse gelten sinngemäß
auch für eine rechtwinklige Ausführung des Ruderhorns und die
Verlagerung der Drehpunkte am Servohebel. Grundsätzlich ergibt sich
damit bei gleichen Hebellängen von An- und Abtrieb folgender
Zusammenhang:
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Seillänge > Gestell-Länge
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Leertrum wird bei Auslenkung schlaff
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Seillänge < Gestell-Länge
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Erhöhte Spannung bei Auslenkung
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Eine
ebenfalls gut brauchbare Seilzug-Lösung ist nachfolgend in P.1
dargestellt. Seillänge = Gestell-Länge bei gleichen Hebellängen
ergibt theoretisch optimale Übertragung. Während ein festes Gestänge
für optimalen Wirkungsgrad bei Neutrallage in 12-Uhr-Position stehen
sollte, ist bei einem Seilzug die hier gezeichnete Ausgangsposition auch
denkbar. Grund: Bei einem angenommenen Servoweg von 2x45° verteilt sich
der Arbeitsbereich auf beide Seile, sodaß ein Seil nur für eine
Ausschlagrichtung wirksam ist, d.h. von +20° bis -25° auf jeder Seite.
Die Hebelverhältnisse sind damit optimiert für eine Bewegung aus der
Neutrallage heraus, da der Übertragungswinkel ungünstiger wird, wenn
das System sich aus der 12-Uhr-Position entfernt. Im Heft 09/99 S.84 der
Zeitschrift Radio Control Modeler (RCM) ist dieses System mit einem 18°-Offsetwinkel
dargestellt, ohne allerdings detailliert auf die Hintergründe
einzugehen. Der genaue Wert des Offsetwinkels ist Geschmackssache, er
sollte sich aber im Bereich von 10° bis 20° befinden. Um die Belastung
des Servo-Kugellagers etwas zu mildern, gibt es bei Graupner einen
Servo-Horn-Supporter (Best.-Nr. 5119). Grundsätzlich sollten die Seile
aber nur geringe Vorspannung aufweisen.

Ein Nachteil der Anordnung P.1 wird erkennbar, wenn man den
Bewegungsablauf bei einem raschen Ausschlagwechsel (z.B. Vollausschlag
rechts auf Vollausschlag links) betrachtet. Hier übernimmt nur ein Seil
die komplette Kraftübertragung über den ganzen Bereich von -65° bis
+25° (bei einem angenommenen Offsetwinkel von 20°). Der Übertragungswinkel
zwischen Seil und der Verbindungslinie zwischen Scharnierachse und
Seilangriffspunkt sollte möglichst 35° nicht unterschreiten, hier beträgt
er aber nur 25°. Als Konsequenz sollte man den Offsetwinkel also eher
geringer wählen, wenn die Ruderfläche große Ausschläge durchlaufen
soll.
Interessant ist noch der Einfluss unterschiedlicher Hebellängen auf die
Anordnung aus P.1. Dies ist in R.0 dargestellt. Ein im Vergleich
zum Servohebel längeres Ruderhorn ergibt weniger Ausschlagwinkel am
Ruder, aber auch eine leichte Überdehnung des Systems. Wie man - spätestens
nach den bisherigen Ausführungen - weiß, kann das durch Vergrößern
der Seillänge = Vergrößern des Offsetwinkels am Ruderhorn wieder
kompensiert werden (R.+).
Hier
wäre ein Excel-Programm sinnvoll, zur Optimierung der Seillänge in Abhängigkeit
von:
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- Hebelarm-Verhältnis
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- Gestell-Länge
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- Offsetwinkel am Servo
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- Offsetwinkel am Ruderhorn
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Für
jeden Anwendungsfall gibt es eine optimale Winkeldifferenz, bei der die
Längenänderung der Seile im Arbeitsbereich minimal ist. Craig Tenney
hat das z. T. in seinem Programm bereits verwirklicht, es sind aber
nicht alle Parameter frei wählbar.